Der Hardangerfjord ist etwa hundertachtzig Kilometer lang und damit der zweitlängste Fjord Norwegens und der viertlängste der Welt. In der Praxis heißt das: Es gibt keinen einzelnen Ort namens Hardangerfjord. Es gibt ein Dutzend Dörfer an seinen Ufern, jedes mit einem eigenen Wasserarm, und welches Boot Sie buchen, hängt ganz davon ab, wo Sie gerade stehen.
Die Touren sind klein. Ein Schlauchboot mit einem Dutzend Leuten in Überlebensanzügen kann Dinge, die ein Kreuzfahrtschiff nicht kann: Es fährt unter Wasserfälle, in zweihundert Meter breite Arme und nah genug an den Fels, dass Sie die Farne darauf sehen. Eine Stunde auf einem dieser Boote zeigt Ihnen mehr vom Fjord als ein Tag auf der Straße.
Die andere Hälfte von Hardanger ist Landwirtschaft, und deshalb sieht dieser Fjord anders aus als die übrigen. An den nach Süden gerichteten Hängen liegen Obstgärten — Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen auf Boden, der Sonne vom Wasser und Schutz von den Bergen bekommt. Etwa drei Wochen zwischen Ende April und Mitte Mai blüht der ganze Fjord auf einmal, und im Herbst wird an denselben Hängen Cidre gepresst.
Die Wasserfälle sind das Dritte. Das Wasser kommt vom Hardangervidda-Plateau — der größten Hochebene Europas — und stürzt direkt in den Fjord. Der Vøringsfossen bei Eidfjord fällt etwa 182 Meter tief. Der Steinsdalsfossen bei Norheimsund hat einen Weg hinter dem Wasser. Und die RIB-Touren bringen Sie unter kleinere Fälle, die keinen Namen, keine Straße und keine Aussichtsplattform haben.
Über der Südseite liegt der Folgefonna, der drittgrößte Gletscher auf dem norwegischen Festland, und darunter der Bondhus-See, der die Farbe von Frostschutzmittel hat – wegen des Gesteinsmehls im Wasser. Ein voller Tag ab Bergen bringt Sie hin und zurück, mit einer geführten Wanderung dazwischen.
Eine praktische Sache, die viele überrascht: Hardanger ist kein Tagesausflug ab Bergen, wie die Prospekte suggerieren. Norheimsund liegt etwa zwei Stunden von der Stadt entfernt, Eidfjord dreieinhalb. Die Ganztagestouren ab Bergen gibt es wirklich, und sie verbringen einen großen Teil des Tages im Auto. Wenn es geht, bleiben Sie eine Nacht am Fjord und nehmen morgens ein Boot.
Und das Letzte, was in keinem Angebot steht: Sie werden nass. Die Anzüge halten Sie warm und weitgehend trocken, die Gischt kommt trotzdem rein, und unter einen Wasserfall zu fahren ist hier keine Metapher. Stecken Sie das Handy in eine Tasche.